
Der Shamane und der Shamanismus
Seit Menschengedenken lebten unsere Vorfahren in unmittelbarem Bezug zur Natur und der Erde und waren dadurch unhinterfragt eingebunden in den Gesamtzusammenhang des Universums und des Lebendigen überhaupt. Krankheit und Naturkatastrophen wurden als Ausdruck einer Störung des persönlichen Gleichgewichts und der Beziehung zu den Göttern und Geistern verstanden. Immer gab es Menschen, die besondere Begabung und Wissen hatten, diesen Störungen nachzuspüren und Mittel aufzuzeigen, die Balance wieder herzustellen. Das enorme uns Menschen gegebene Potential von "mind" und "spirit" offenbarte sich in ihnen.
Ueber Jahrtausende entwickelten sie bemerkenswerte Systeme verschiedener Rituale, Praktiken und Heil-verfahren, die heute als der Schamanismus bekannt sind. Hierbei werden, häufig durch Ekstasetechniken, intensivierte und veränderte Bewusstseinszustände erlebt, die bei Heilungen und Problemlösungen für ein-zelne und die Gemeinschaft genutzt werden.
Der Begriff Schamanismus stammt von dem sibirischen Wort für Medizinmann "Schaman". Schamanen haben in fast allen Stammesgemeinschaften vielfältige Aufgaben und Rollen. Diese Frauen und Männer sind Mediziner, Priester, Psychologen, Therapeuten, Berater, Ueberl-ieferer der Mythen, Krieger, Jäger und oft Tänzer, Sänger, Künstler in einer Person.
Sie gelten als Bindeglied und Mittler zum Göttlichen und erleben durch verschiedene Praktiken, meist unterstützt von monotonen Rhythmen und Gesängen, den natür-lichen Zugang zur spirituellen Ebene. In Trance unternehmen sie Reisen in verborgene Welten, die wir sonst nur durch Mythen und Träume kennen.
In diesem Zustand, in dem die Zeit nicht mehr existiert, vermögen sie Wirkungen aus der Vergangenheit und Auswirkungen in die Zukunft zu erkennen.
Die schamanistische Intervention in Heilungsprozessen wendet sich immer an alle Aspekte des Menschen: Körper, Emotion, Intellekt und spirituelles Selbst. Sie unterscheidet sich dadurch grundsätzlich von der westlichen traditionellen Medizin und Psychologie, die bei den Patienten meist nur die für krank gehaltenen Teile behandelt.

In den vielfältigen Ritualen, die in Stammesgesellschaften den Beginn und das Ende eines Lebensabschnittes markieren, die Jahreszeiten begleiten oder andere Gründe haben, werden ungewöhnliche Kräfte erlebbar, die beteiligte Menschen in auffallender Weise verändern und innerlich reifen lassen.
Seit kurzem beginnen geistig offene Menschen in der westlichen Welt den schamanistischen Ansatz für sich zu entdecken und kommen damit bei psychologischen Problemlösungen und bei Behandlungen von Krankheiten zu erstaunlichen Ergebnissen für sich und andere. Dies ist oft verbunden mit tiefen Einsichten in das Bewusstsein unserer spirituellen Einheit mit allen Lebewesen und Pflanzen, der Erde und dem Universum.